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Uhren „Made in Germany“ gewinnen an Bedeutung
Es war einmal... So hätte man bis vor einigen Jahren die Geschichte der deutschen Uhrenindustrie beginnen können, die jahrzehntelang von der übermächtigen Konkurrenz aus der Schweiz und Fernost aufgerieben zu werden schien. Doch nun haben sich die Verhältnisse geändert. Hersteller, Händler und Fans von deutschen Uhren können wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Hinter dieser Entwicklung stecken Menschen, die gute Ideen hatten und hart dafür arbeiteten, diese Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.
Wie alles begann
Als 1845 in Glashütte von Ferdinand A. Lange die Uhrmacherei als Wirtschaftszweig eingeführt wurde, ahnte wohl niemand, wie schnell es den deutschen Uhrmachern gelingen sollte, sich weltweit einen ausgezeichneten Ruf zu erwerben. Innerhalb weniger Jahrzehnte waren Uhren „made in Germany“ zu begehrten Handelsgütern geworden. Die 1861 im Schwarzwald gegründete Uhrenfabrik von Erhard Junghans war bereits 1903 der größte Uhrenhersteller der Welt. Über 3000 Mitarbeiter stellten dort pro Jahr 3 Millionen Uhren her. In der Folge betrafen jedoch die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Zwischenkriegszeit und der zweite Weltkrieg alle Industriezweige. In den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten die Hersteller von Zeitmessern in Westdeutschland vom allgemeinen Wirtschaftswachstum profitieren, während Glashütte in Sachsen der sozialistischen Wirtschaftsordnung unterworfen war. Spätestens seit den 80er Jahren begann eine Zeit des Niedergangs. Japanische und Schweizer Firmen waren mit ihren Designs und Marketingstrategien wesentlich erfolgreicher als ihre Kollegen hierzulande.
Nach der Wende kam die Wende
Einige Jahre nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten kam auch die Wende für die deutsche Uhrmacherkunst. In Glashütte, dem Zentrum dieses Handwerks im 19.Jahrhundert, erstanden klangvolle Namen wieder auf: A.Lange und Söhne, Mühle Glashütte u.s.w.
Besonders bemerkenswert ist, dass es einigen mittelständischen Unternehmern gelang, sich mit ihren Kollektionen erfolgreich am Markt zu etablieren. Zumal auch der Uhrenmarkt weltweit von internationalen Konzernen dominiert wird. Nach vielen Besitzerwechseln gehört die Traditionsmarke Junghans inzwischen der im Schwarzwald ansässigen Unternehmerfamilie Steim. Aus Überzeugung und ureigenstem Interesse am Erhalt der Arbeitsplätze in der Heimat wird dort die Produktion sukzessive ausgebaut. Eine andere Erfolgsgeschichte führt uns zurück nach Glashütte: Bruno Söhnle, ein schwäbischer Unternehmer und Experte auf dem Uhrenmarkt, wagte sich vor 10Jahren an die Gründung einer eigenen Marke. Die klare Ausrichtung auf eine klassische Linie und schöne Modelle, sowie ein sehr gutes Preis-/ Leistungsverhältnis bescheren auch diesem Familienunternehmen inzwischen den verdienten Erfolg.
Einen sehr wesentlichen Beitrag zum Wiedererstarken der Uhren „Made in Germany“ leistet auch das veränderte Verhalten der Verbraucher. War es in der Vergangenheit schick Uhren aus anderen Ländern zu tragen, so hat „Made in Germany“ hat auch im eigenen Land einen sehr guten Klang. Denn Kunden wissen, dass hierzulande Qualität produziert wird und schätzen es, dass Arbeitsplätze in Deutschland gehalten und geschaffen werden. Somit ist auch für die nächsten Jahre ein weiterer Aufschwung in dieser Hinsicht zu erwarten.
Uhren:
1. Antriebsarten
Die Kunst Antriebe für winzige Uhrwerke zu konstruieren und diese kleinen technischen Wunderwerke mit höchstmöglicher Präzision funktionieren zu lassen, beschäftigt die Uhrmacher seit etwa 450 Jahren. Gerade in den letzten Jahrzehnten kam es zu einer Fülle von Innovationen auf diesem Gebiet. Die Genauigkeit der Zeitmessung hängt wesentlich davon ab, dass es der Uhr gelingt die Zeit in möglichst kleine und gleichmäßige Einheiten zu unterteilen, die dann mechanisch auf die Zeitanzeige übertragen werden. Zu diesem Zweck werden die verschiedensten Arten von Uhrwerken konstruiert und laufend optimiert.
1.1. Quartzuhren mit Batterie:
Heute ist die sogenannte Quartzuhr die meist verbreitete Uhr. Es handelt sich dabei um eine batteriebetriebene Uhr. Die elektrische Energie aus der Batterie versetzt einen Quartz in sehr schnelle Schwingungen - somit wird die Zeit in winzig kleine Einheiten unterteilt. Diese wiederrum werden durch einen sogenannten Wandler in mechanische Bewegung umgewandelt. Die Quartzuhr ist eine sehr genaue Art der Zeitmessung, da sie aus relativ wenigen Bauteilen besteht und die Batterie die Energie sehr gleichmäßig abgibt, so dass kaum Gangabweichungen entstehen.
1.2. Mechanische Uhren:
Mechanische Uhren stellen die hohe Kunst der Uhrmacherei dar. Um eine hochwertige mechanische Uhr herzustellen, sind beinahe so viele Arbeitsschritte nötig wie zur Herstellung eines Kleinwagens. Eine mechanische Uhr unterteilt die Zeit mit Hillfe eines Systems von Rädern, die mit einer genau berechneten Anzahl von Zähnen versehen sind, in kleine Einheiten - man hört das Ticken der Uhr. Diese Zahnräder greifen ineinander und drehen sich verschieden schnell. Ist dieses komplizierte Räderwerk perfekt konstruiert, kann auch eine mechanische Uhr die Zeit exakt messen. Der Gang einer mechanischen Uhr wird von verschiedenen physikalischen Faktoren beeinflußt: Erdanziehung, Reibung, Druck, Temperatur. Deshalb verwenden die Konstrukteure hochwertiger mechanischer Uhren viel Energie darauf, diese Einflüsse möglichst gering zu halten oder ganz auszuschalten. Dabei spielen die Qualität der verwendeten Materialien, die Anzahl der Räder und viele technische Rafinessen eine wesentliche Rolle. So werden beispielsweise für die Lager im Uhrwerk oft echte oder synthetische Edelsteine verwendet, die aufgrund ihrer Härte weitgehend gegen Abrieb geschützt sind.
Grundsätzlich werden mechanische Uhren angetrieben, indem eine Feder gespannt wird und im Zuge der Entspannung Bewegungsenergie abgibt.
a) Handaufzug:
Bei Handaufzuguhren wird die Antriebsfeder von Hand gespannt (aufgezogen). Die Uhrfeder liefert genug Energie, um das Uhrwerk über einen Zeitraum von 24 bis 36 Stunden anzutreiben. Es ist wichtig, dass die Feder aus einer Legierung hergestellt ist, die auch bei dauerndem Gebrauch keine Ermüdungserscheinungen zeigt. Da die Feder am Anfang mehr Kraft entwickelt, als kurz vor dem Ablaufen der Uhr kann es zu Gangungenauigkeiten der Uhr kommen.
b) Automatikuhren
Bei Armbanduhren mit automatischem Aufzug wird die Feder durch eine Schwungmasse gespannt, die bei jeder Armbewegung in Drehung versetzt wird. Dies passiert automatisch, während des ganz normalen Tagesablaufs des/der Trägers/in. Deshalb sollte eine Automatikuhr ca. 10 Stunden täglich bei ausreichender Bewegung getragen werden. Da der Rotor (die Schwungmasse) dafür sorgt, dass die Feder ständig gespannt ist, erreichen Automatikuhren oft eine höhere Ganggenauigkeit als Handaufzuguhren. Darüber hinaus entfällt das tägliche Aufziehen. Da diese Uhren über eine Gangreserve von bis zu 50Stunden verfügen, können sie auch für einen längeren Zeitraum abgelegt werden, ohne dass sie stehen bleiben.
1.3. Solaruhren
Eine Solaruhr wird mit der Energie des Lichts angetrieben. Solarantrieb wird sowohl für normale Quartzuhren als auch für Funkuhren eingesetzt. Die Lichtenergie wird mit Hilfe einer Solarzelle im Zifferblatt der Uhr gesammelt und in einem Solarspeicher gespeichert. Der Solarspeicher versorgt die Uhr mit der benötigten Energiemenge. Die Solaruhr lädt sich am Tageslicht selbstständig auf . Deshalb ist es sehr hilfreich, sie an einem hellen Ort aufzubewahren und darauf zu achten, dass sie nicht permanent von einem Ärmel bedeckt wird.
Allerdings ist die Solartechnik sowohl bei Herrenuhren als auch bei Damenuhren so ausgereift, dass Solaruhren in der Regel über sehr hohe Dunkelgangreserven verfügen. Das bedeutet, dass die Uhr, wenn sie voll aufgeladen ist, zwischen zwei und acht Monaten im Dunkeln liegen kann, ohne dass sie stehen bleibt. Die Größe dieser Dunkelgangreserve variiert je nach Modell.
Die Vorteile von Solaruhren sind darin zu sehen, dass kein Batteriewechsel nötig und die Uhr somit umweltfreundlich ist.
1.4. Kinetic-Uhren von Seiko
Das Prinzip der Kinetic-Uhr besteht darin, dass die Energie, die zum Antreiben des Uhrwerkes nötig ist, durch die Bewegungsenergie des Trägers erzeugt wird. Diese Bewegungsenergie wird im Uhrwerk in Strom umgewandelt. Dieser Strom wird in einem Energiespeicher gespeichert und unter Nutzung eines Quartzoszillators und eines Schrittmotors gleichmäßig abgegeben, so dass Kineticuhren die gleiche Ganggenauigkeit wie Quartzuhren erreichen. Durch den Einsatz besonderer Techniken, verfügen Kinetic Herrenuhren und Damenuhren über sehr hohe Gangreserven. D.h. ist die Kinetic-Uhr einmal voll aufgeladen, kann sie bis zu sechs Monaten weiterlaufen, ohne dass die Uhr dafür eine weitere Energiezufuhr benötigt.
Darüber hinaus benötigt eine Kineticuhr keine Batterie.
2. Uhrgläser
2.1. Mineralglas
Uhrgläser aus Mineralglas bestehen aus Silicatglas (vergleichbar mit Fensterglas). Sie verfügen über sehr gute optische Eigenschaften, sind widerstandsfähig gegen Lösungsmittel und härter als Kunststoffglas. Um die Bruchfestigkeit des Mineralglases zu erhöhen wird es an der Oberfläche chemisch gehärtet.
2.2. Saphirglas
Saphirglas wird aus synthetischem Saphir hergestellt. Es verfügt über beste optische Eigenschaften und ist nahezu unzerkratzbar. Sowohl Rohmaterial als auch die Herstellung von Saphirglas sind sehr teuer. Deshalb findet man Saphirglas vor allem bei Uhren der gehobenen Preisklasse. Bei besonders sorgfältig verarbeiteten Armbanduhren wird das Saphirglas auf der Innenseite entspiegelt, um die optimale Ablesbarkeit der Uhr zu gewährleisten.
2.3. Kunststoffglas
Kunststoffglas wird seit Jahrzehnten für die Uhrenherstellung verwendet. Es handelt sich dabei um ein Acrylerzeugnis. Kunststoffglas ist leichter zerkratzbar als Mineralglas, kann jedoch im Unterschied zu den anderen Glasarten poliert werden.Kunststoffgläser können von Lösungsmitteln angegriffen werden. Außerdem kann es durch Alterung oder Überbeanspruchung Haarrisse bekommen. Wenn für besonders hochwertige Uhren -wie z.B. die Serie Max Bill aus dem Hause Junghans - Kunststoffglas verwendet wird, wird es mit einer besonderen Beschichtung versehen, so dass die Eigenschaften des Kunststoffglases deutlich verbessert werden können.
3. Ganggenauigkeit
3.1. Funkuhr
Die höchste Ganggenauigkeit erreicht die Funkuhr. Sie ist per Funk mit der genauesten Uhr der Welt verbunden (die Normalzeit-Basis der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig). Erst in einer Million Jahren ist eine Zeitabweichung von einer Sekunde zu erwarten. Sowohl Sommer- und Winterzeit als auch Datum und Wochentag stellen sich bei einer Funkuhr vollautomatisch ein. Funkuhren gibt es als Quartzuhr mit Batterie und auch als Solaruhr. Ebenso gibt es Funkuhren mit Digitalanzeige und/oder Zeigeranzeige.
3.2. Quartzuhr
Quartzuhren erreichen eine sehr hohe Ganggenauigkeit. Es ist keine Seltenheit, dass eine Quartzuhr weniger als eine Minute pro Jahr abweicht.
3.3. Mechanische Uhren (Handaufzuguhr & Automatikuhr)
Bei mechanischen Uhren hängt die Ganggenauigkeit ganz wesentlich von der Qualität des Uhrwerks ab. Es ist keine Seltenheit, dass mechanische Uhren mehr als eine Minute in 24 Stunden abweichen.
4. Wasserdichtigkeit
Es gibt verschiedene Abstufungen der Wasserdichtigkeit bei Armbanduhren. Die Uhren werden besonders gegen das Eindringen von Wasser geschützt. Allerdings ist Wasserdichtigkeit keine bleibende Eigenschaft. Sie kann durch Abnutzung der Bauteile, Materialermüdung oder Gewalteinwirkung beeinträchtigt werden.
Um die Eigenschaft Wasserdichtigkeit für den Verbraucher besser nachvollziehbar zu gestalten, hat die Uhrenindustrie eine Unterteilung in verschiedene Grade vorgenommen
- wasserresistent: widerstandsfähig gegen Schweiß, Regen und Wassertropfen
- wasserresistent 3bar: widerstandsfähig gegen Schweiß, Regen, Wassertropfen - Hände waschen erlaubt
- wasserresistent 5bar: widerstandsfähig gegen Schweiß, Regen, Wassertropfen - Hände waschen erlaubt; Baden in der Wanne erlaubt
- wasserresistent 10bar: widerstandsfähig gegen Schweiß, Regen, Wassertropfen - Hände waschen erlaubt; Baden in der Wanne erlaubt; Duschen erlaubt (beim Duschen entsteht ein sehr hoher Wasserdruck); Schwimmen erlaubt
- wasserresistent 20bar: widerstandsfähig gegen Schweiß, Regen, Wassertropfen - Hände waschen erlaubt; Baden in der Wanne erlaubt; Schwimmen und Tauchen ohne Ausrüstung erlaubt.
Bedenken Sie bei einem Batteriewechsel, dass nur Fachleute in der Lage sind, zu beurteilen, ob Dichtungen, Gehäuseboden und Krone in Ordnung sind!








